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Mit Kids durch Süd-Namibia - Die härtesten Tage unserer Afrika-Reise

Auch wenn wir immer versuchen, Herausforderungen auf unseren Reisen positiv anzunehmen und uns auf die guten Dinge fokussieren, stoßen wir manchmal an unsere Grenzen. So ist es uns auch in unseren ersten Tagen in Namibia ergangen - hier ist die ganze Geschichte!

Südnamibia, Namibia mit Kindern, Ais-Ais, Fish River Canyon, Alte Kalköfen

"Es wird schon irgendwie gehen..."

Unser 4-monatiger Camping-Roadtrip durch das südliche Afrika (alle bisherigen Artikel dazu findest du hier) hat uns im März 2017 auch nach Namibia geführt.

 

Wer uns kennt, der weiß dass wir keine großen Planer sind, und uns lieber ohne viel Recherche auf ein Reiseziel einlassen. Auf diese Weise können wir das Land selbst entdecken und uns unsere eigene Meinung bilden. So sollte es auch in Namibia sein.

 

Wir hatten unseren - bis dahin ungelesenen - Lonely Planet Namibia & Botswana* im Gepäck, dazu ein Reisemagazin mit den besten Campingplätzen (das wir in Südafrika geschenkt bekommen hatten) und eine ÖAMTC-Straßenkarte mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Außerdem hatten wir einige Orte im Kopf, die wir uns unbedingt anschauen wollten, zB. den Etosha Nationalpark, die berühmten roten Dünen in der Namib-Wüste und die Geisterstadt Kolmannskuppe.

 

Wir wussten, dass Namibia früher eine deutsche Kolonie gewesen war und viele Straßen nicht asphaltiert waren. Es war uns klar, dass unser Mietauto - ein gewöhnlicher Toyota Corolla - für Namibias Schotterstraßen alles andere als ideal war - und wollten eigentlich nur auf den "guten" Straßen bleiben. Und uns war auch bewusst, dass es eine Challenge werden würde, unser einfaches Zelt auf sandigem Boden zu befestigen. Die meisten Camper sind in Namibia nämlich mit Geländewagen und Dachzelt unterwegs.

 

Abgesehen davon wollten wir uns - ganz gemäß unserem Motto "wird schon irgendwie gehen" überraschen lassen. Nach zwei Monaten Südafrika glaubten wir trotz allem, ganz gut auf Namibia vorbereitet zu sein...

 

Ein paar Tage später wussten wir auch wirklich, wie in Namibia der Hase läuft. Der Weg dorthin war aber alles andere als einfach. Während der ersten Tage mussten wir "auf die harte Tour" lernen, uns zurechtzufinden. Und wären mehr als einmal am liebsten gleich wieder zurück nach Südafrika gedüst. Was sehr schade gewesen wäre, denn in Namibia hatten wir einen der coolsten Roadtrips unseres Lebens.

 

Hier kommt die Geschichte unserer chaotischen Ankunft im untouristischen Süden Namibias - viel Spaß beim Lesen! 

 

Übrigens: Wir würden unsere Art des Reisens für nichts in der Welt ändern wollen - auch wenn es manchmal anstrengend und mühsam ist. Und auch wenn wir unseren Idealismus hin und wieder verfluchen!

Karte Namibia

Über die Grenze

Heute ist der große Tag - wir lernen ein neues Land kennen, über das wir nicht wirklich viel wissen!

 

Unsere Einreise nach Namibia erfolgt ganz im Süden des Landes über Südafrika. Nachdem es dort an jeder Ecke Shops und Bankomaten gegeben hat, machen wir uns keine großen Gedanken darüber, wie wir in Namibia zu Geld kommen werden. Sicherlich gibt es gleich nach der Grenze einen Geldautomaten - unsere "Rand" (die südafrikanische Währung) haben wir jedenfalls fast aufgebraucht.

 

Wir sind uns auch nicht sicher, ob wir frische Lebensmittel über die Grenze bringen dürfen, daher wollen wir den nächsten Einkauf einfach in Namibia machen. Soweit der Plan.

 

Bei der Grenze angekommen, herrscht gähnende Leere. Kein Bankomat, kein Geschäft. Macht nix, wir wollen sowieso weiterfahren in das kleine Örtchen "Grünau", denn dort gibt es eine Lodge mit Campingmöglichkeit und ein bisschen Infrastruktur.

 

Natürlich ist genau, während wir die Grenzformalitäten erledigen, Schichtwechsel. Hier scheint es keiner eilig zu haben und wir warten geduldig in der großen Mittagshitze. Als wir unsere Stempel bekommen, freuen wir uns auf die Klimaanlage im Auto und fahren munter weiter in Richtung Norden - das Thermometer zeigt 44 Grad. Es ist 13 Uhr.

Namibia

Diese verdammte Hitze

Geschäfte, Tankstellen, Bankomaten und selbst Wohnhäuser suchen wir vergeblich. Wir sind umgeben von Trockenheit, steinigen Felsen und Leere.

 

"In einer Stunde werden wir in Grünau sein - was machen wir denn dort den ganzen Nachmittag bei dieser Hitze?" Schnell wird der Plan umgeworfen und wir biegen ab nach Westen in Richtung Fish River Canyon. Das ist ein Highlight Namibias und vielleicht ist es dort ja etwas kühler (später erfahren wir, dass das eine der heißesten Regionen des Landes ist).

 

Unseren Vorsatz, nur auf asphaltierten Straßen zu bleiben, ist nun auch Geschichte. Denn nachdem ich ein bisschen im Reiseführer geblättert habe, sehen wir ein, dass viele spannende Orte nur über Schotterstraßen erreichbar sind. Zum Glück scheint diese Straße trotzdem in relativ gutem Zustand zu sein - und wir geben Gas, so gut es geht!

 

Als wir um 17 Uhr beim Campingplatz in Ai-Ais (am südlichen Ende des Canyons) ankommen, gibt es natürlich keinen Bankomaten. Die Campingplatzgebühr können wir glücklicherweise mit Kreditkarte bezahlen, und im schlecht ausgestatteten Shop verspricht man uns, dass es am nächsten Morgen zumindest wieder Brot geben wird.

 

Abendessen gibt's aus unserer Notfallration - nämlich Nudelsuppe. Für aufwendigeres Kochen ist es uns zu heiß, denn es hat immer noch 44 Grad. Die Kinder und ich springen in den riesigen Pool - mit heißem Thermalwasser. Trotzdem macht es Spaß, denn bei diesen Temperaturen sind selbst 38 Grad noch erfrischend.

 

Bert hat inzwischen eine andere Herausforderung: Mission "Zelt aufstellen" - und das bei einem Boden, in dem keine Heringe halten wollten. Mit ein bisschen Kreativität funktioniert's dann doch - die Zeltschnüre werden einfach an Bäumen und dem Auto festgebunden.

 

Viel zu spät merkt Bert, dass uns eben diese Bäume noch zum Verhängnis werden. Denn hier wachsen "Thorn Trees", deren Dornen überall am Boden verstreut liegen (und in unseren Flip-Flops stecken). Leider hat Bert genau im Schatten der Dornenbäume unsere Luftmatratze aufgepumpt.

Namibia, Ais-Ais

Die Luft ist weg

In der Nacht bekommen wir dann das Ergebnis zu spüren: Die Luft ist weg - und nur mit mehrmaligem Aufblasen kommen wir halbwegs bequem bis zum nächsten Morgen. Diese Nacht ist wohl die Schlimmste meines Lebens - denn neben der luftleeren Matratze hat es im Zelt nachts mindestens 35 Grad und ist so heiß, dass ich gefühlt kaum atmen kann. Tja, und öffnen wollen wir das Zelt auch nicht, da überall am Campingplatz freche und hungrige Affen lauern. Die Kinder schlafen übrigens trotzdem erstaunlich gut.

 

Am Morgen sind wir trotz allem wieder guter Dinge - und hungrig. Ein paar südafrikanische Rand (mit denen man übrigens auch in ganz Namibia bezahlen kann) haben wir noch, also starten die Kinder und ich zum Shop, während Bert das Zelt wieder abbaut. Wir wollen so schnell als möglich weg von hier und ins klimatisierte Auto! Dort die Ernüchterung: Es gibt kein Brot und auch sonst nichts geeignetes fürs Frühstück. Also gibt es an diesem Morgen Crackers und Kekse mit Erdbeer-Füllung - zumindest die Kinder sind happy! Zum Glück haben wir noch genügend Wasservorräte, denn die Preise im Campingplatz-Shop sind astronomisch.

Frühstück in Namibia

Endlich am Fish River Canyon

Und weiter geht die Fahrt zum nördlichen Ende des Fish River Canyons - wo sich eine Aussichtsplattform befindet. Längst haben wir die guten Straßen hinter uns gelassen und quälen uns mit unserem Kleinwagen über Schotterpisten mit Schlaglöchern. Irgendwann sind wir da - und haben wieder Glück. Auch hier können wir die Eintrittsgebühr mit Kreditkarte bezahlen.

 

Als wir an der Aussichtsplattform stehen und auf die zweitgrößte Schlucht der Erde blicken, finden wir trotzdem, dass sich die Strapazen gelohnt haben. Wir kommen mit einem deutschen Ehepaar ins Gespräch - die uns Geld und Essen anbieten wollen, nachdem sie unsere Geschichte gehört haben. Wahrscheinlich tun ihnen die Kinder leid - aber die Beiden scheinen das alles eigentlich ganz locker wegzustecken.

Fish River Canyon, Ais-Ais, Namibia

Shopping in Keetmanshoop

Unsere erste Priorität jetzt: Einkaufen gehen! Wir müssen in die nächste Stadt, und die ist mehrere Stunden entfernt. Erst auf Schotterstraßen, dann kommt zum Glück wieder Asphalt. Rundherum nur Trockenheit und ein paar vereinzelte Springböcke. Keetmanshoop, die drittgrößte Stadt Namibias, finden wir gar nicht gut. Touristisch gesehen gibt es hier nicht wirklich viel Spannendes zu erleben - zudem werden wir gleich mal von Einheimischen bedrängt und  aufdringlich angebettelt. 

 

Wir sind enttäuscht - in Südafrika haben wir uns wohler gefühlt. Eigentlich war unser Plan, hier in der Gegend übernachten, doch stattdessen erledigen wir schnell die nötigsten Einkäufe. Luftmatratze finden wir leider in der ganzen Stadt keine - und es soll noch 8 Tage dauern, bis wir in der nächsten Stadt Swakopmund fündig werden und endlich wieder bequem schlafen können!

 

Kleine Anmerkungen:

1. In Südafrika hat jeder Supermarkt Campingausrüstung im Sortiment.

2. Das war übrigens nicht die einzige Luftmatratze, die in Namibia Dornenbüschen zum Opfer gefallen ist - manchmal lernt man einfach nicht aus seinen Fehlern ;-)

3. Keetmannshoop war der einzige Ort in Namibia, an dem wir uns unwohl gefühlt haben.

Namibia

Endlose Campingplatz-Suche

Wohin jetzt? Wir lesen von einer Lodge mit Campingmöglichkeit, bei der man die berühmten Köcherbäume besichtigen kann. Die Fahrt dorthin ist nicht weit, also machen wir uns auf den Weg. Als wir den Preis für eine Nacht hören, haut es uns (auf gut österreichisch gesagt) erstmal "aus den Patschen".

 

Wir haben mittlerweile schon eingesehen, dass Camping in Namibia nicht so günstig ist wie in Südafrika (durchschnittlich 15 € für uns alle), aber hier wird zusätzlich gleich noch ein teurer Eintritt in den Köcherbaum-Wald mitkassiert. Also fahren wir weiter - leider ist unser Budget begrenzt.

 

Wir machen uns auf den langen Weg nach Lüderitz, einem kleinen Städtchen am Atlantik, und wollten unterwegs die erste Campingmöglichkeit ansteuern. Schnell stellen wir fest, dass es diese nur vereinzelt gibt.

 

Nach einer Stunde kommen wir zum Hotel Seeheim, in dessen Vorgarten man campen kann. Das Hotel sieht sehr imposant aus und mit dem Preis für uns vier (21 €) sind wir auch einverstanden. Doch der Besitzer scheint es sich nach einer Viertelstunde anders zu überlegen - und verdoppelt den Preis. Wir haben den Eindruck, dass er sich von unseren Kindern gestört fühlt, die voll Freude die Gegend erkunden.

Namibia Oryx

Es geht bergauf!

Ich bin den Tränen nahe - so unwillkommen habe ich mich schon lang nicht mehr gefühlt. Wütend und enttäuscht ziehen wir wieder ab, hier wollen wir keinesfalls bleiben. Es ist schon fast Abend und wir wissen immer noch nicht, wo wir übernachten sollen.

 

Die nächste Möglichkeit kommt eine halbe Stunde später mit einer Lodge namens Alte Kalköfen*, die auch einen Campingplatz haben soll. Hier werden wir herzlich empfangen, der Preis stimmt und wir fühlen uns auf Anhieb wohl. Während Bert das Zelt aufstellt - diesmal mit Hilfe von schweren Eisenrahmen, die er am Campingplatz findet - gehe ich mit Niklas und Hanna auf Erkundungstour. Wir springen in den kühlen Pool und fühlen uns erstmals so richtig in Namibia "angekommen".

 

Von diesem Moment an geht es bergauf - wir machen unzählige schöne Erfahrungen und treffen viele liebe Menschen, die unser Bild von Namibia sofort zum Positiven wenden. Und diesen Roadtrip definitiv zu einem Highlight unseres Sabbatjahres machen!

Alte Kalköfen, Lodge Namibia

Ganz ohne Hoppalas ist es aber natürlich trotzdem nicht weitergegangen! Mehr Geschichten über unsere Reise durch Südafrika, Lesotho & Namibia gibt es weiterhin hier am Blog und ab Oktober bei unseren Reise-Vorträgen!

Warst du schon mal in Namibia und wie ist es dir dort ergangen? Wir freuen uns über deinen Kommentar!

 

Danke fürs Lesen und liebe Grüße von Bert, Martina, Niklas & Hanna <3

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Auf die Plätze, fertig... PINNEN!!!

Wenn man an seine Grenzen stößt... so anstrengend waren unsere ersten Tage in Namibia!

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